Gemischtwaren vol.x

So am Ende eines Tages sammeln sich bei mir immer etwa eine quadtrilliarde offene Tabs in meinem Browser; die Highlights aus dieser subjektiven Auswahl folgen hier:

Den Anfang macht das neusprechblog mit dem Wort erweiterte Gefahrenerforschung. Der geübte neologismuskenner ahnt schon was dieses wunderbare, aus Österreich stammende, Wort meint:

(…)Eine Gefahr ist eine mehr oder weniger abstrakte Bedrohung. Sie ist ein Zustand, der noch nicht eingetreten ist. Die G. entfernt sich noch etwas weiter vom Tatsächlichen und geht noch einen Schritt in Richtung des Möglichen. Sie soll dazu dienen, mögliche Gefahren überhaupt erst zu entdecken. Eigentlich darf die Polizei nicht ohne Anlass ermitteln, sie braucht Beweise, bevor sie etwas gegen Bürger unternehmen kann. Leider gilt dieser rechtsstaatliche Schutz vor Verdachtsermittlungen vielen Politikern inzwischen als überholt. (…)

Aus der online-taz möchte ich gleich ein ganzes Bündel von Artikeln empfehlen; sucht euch das raus, was euch interessiert: Zur „Säuberung“ der Occupy-Camps in Amerika (1); Zwei Männer in Nordzypern sind wegen „Handlungen wider die Natur“ [Homosexualität] in Haft (2); Niedersachsens Polizei nutzt künftig Facebook. Allerdings, um die Bürger zur Mithilfe bei Fahndungen aufzurufen (3); Zusatzgewinne bei Ökostrom: „Die Marktprämie führt zu Mehrkosten im EEG, ohne dass Fortschritte für den Strommarkt erkennbar sind“, sagt Daniel Kluge vom Bundesverband Erneuerbare Energie. (4).

Begeben wir uns nun ins weite Feld der Ökonomie. Ich saß neulich, d.h. vor einigen Wochen, mit einer guten Bekannten beim Essen und der Diskurs kam auf die Ökonomie und die aktuelle Krise. Eben jene Bekannte verstieg sich dann zu der These, dass das sog. bürgerliche Lager (Union und FDP) mehr Wirtschaftskompetenz besäßen, weil (achtung festhalten) wie jeder wisse, alle ökonomisch gebildeten sich rechts der mitte im Parteienspektrum ansiedeln würden (die FDP ist ja auch die Partei der besserverdienenden, die müssen ja Ahnung von ökonomie haben!!einself). Abgesehen davon, dass diese These objektiv in dieser Allgemeinheit Schwachsinn ist (Mensch denke bspw. an Marx, der seine Bekanntheit aufgrund seiner ökonomischen Theorien erlangte), so ist sie doch insofern wahr, als das der mainstream der Wirtschaftswissenschaft einen stark neoliberalen Bias besitzt. Auf den Nachdenkseiten bin ich heute über eine angenehme Ausnahme von dieser Regel gestoßen, in Form einer Rezension des Buches Zehn Mythen der Krise von Heiner Flassbeck.

Heiner Flassbeck kann u.a. deshalb für wirtschaftlich kompetent gehalten werden, weil er promovierter Ökonom ist und Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen war. Seit Januar 2003 ist er Chef-Volkswirt (Chief of Macroeconomics and Development) bei der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD). Die Lektüre der oben verlinkten Rezension ist deshalb erhellend, weil sich die 10 Mythen über die Krise so tief in das öffentlich Bewusstsein gefressen haben und zugleich Mythen (bzw. Ideologie) sind. Ohne die überwindung dieser Mythen ist auch eine „Lösung“ der „Krise“ nicht möglich. Bei der Suche auf wikipedia bin ich noch auf einen Mythos gestoßen, welcher so fazinierend ist, das ich ihn hier beispielhaft zitieren möchte(Quelle):

Flassbeck misst der Einsicht, dass eine Volkswirtschaft nicht sparen könne, eine bedeutende Rolle zu. Die allgemeine Auffassung, dass eine Volkswirtschaft netto sparen könne, also insgesamt Geld über einen bestimmten Zeitraum sparen könne, um mit dem angesparten Geld erst in einer zukünftigen Periode Investitionen zu finanzieren, sei falsch. Dies würde nämlich bedeuten, dass in der Gegenwart irgendjemand in der Volkswirtschaft auf seinem Angebot sitzen bleiben müsse. Da die Summe der Einnahmen und damit die Einkommen aller Wirtschaftssubjekte gleich der Summe der Ausgaben und damit der Nachfrage aller Wirtschaftssubjekte seien, sänken in der Folge die Einkommen. Ausgaben, die nicht getätigt würden, fielen in gleicher Höhe weg. Das innerhalb einer Periode erwirtschaftete Einkommen müsse immer verwendet werden. Sparen im Sinne von Nichtverwendung könne es in einer Volkswirtschaft nicht geben. Investitionen seien die Voraussetzung für die Bildung von Ersparnissen, nicht umgekehrt. Beide Größen seien nur in einer ex post-Betrachtung gleich.

Und die ach so ökonomisch fitte bürgerliche Regierung will uns erzählen das Griechenland sparen müsse…

So nach dieser eleganten Überleitung zu Griechenland (selber auf die Schulter klopf) möchte ich auf die neueste Schweinerei unserer besten aller Regierungen aufmerksam machen: Das Sonderkonto für Athen. Damit soll sichergestellt werden, das private Gläubiger bevorzugt behandelt werden. Nicht das die „faulen“ Griechen auf die Idee kommen, von dem Geld mit dem wir Ihnen [sic!] helfen, die Verbindlichkeiten ihrer eigenen Leute zuerst zu bedienen. Das ganze erinnert, doch sehr an den Sparkommisar, ist auch de facto das selbe. Ob wir jetzt Griechenland einen Sparkommisar vor die Nase setzen, der dafür sorgt, das das Geld da landet wo es soll, oder das Geld erstmal da zwischenlagern wo ein von uns eingesetzter Mensch bestimmt wo es landen soll, macht keinen Unterschied. [q.e.d.]

Funfact am Rande: In Spanien hat die Vorrangregelung für Gläubiger bereits Verfassungsrang. Das elegante daran: Die Märkte, besser die Akteure auf den nebulösen Märkten, können so Spanien solange ausquetschen bis Spanien nichts mehr freiwillig gibt, dann geht das Land Pleite und es ist sichergestellt das auch noch der letzte €uro in privaten Taschen verschwindet. (Natürlich wird Spanien NIEMALS Pleite gehen, hätte ja auch NIEMAND ein Interesse daran.)

So und wer noch nicht genug gekotzt hat, der/dem möchte ich noch ein Moneyquote von der rechtsaußenseite (wenn mensch bedenkt wie rechts die sind, die müssten ja ultra wirtschaftskompetent sein :D ) kreuz.net präsentieren (ohne link, wenn auch nur ein klick wegen mir bei denen landet, könnte ich mir das nie verzeihen):

Der ungarische Ministerpräsident ist ein Leuchtturm im Kreise der skrupellosen Polit-Verbrecher, die in den westlichen Heuchel-Demokratien ihr Unwesen treiben.

Wer noch nie was von der Leuchtturmpolitik von Viktor Orban mitbekommen hat, der möge mal die üblichen linken-kampfblätter zu rate ziehen (Spiegel , süddeutsche, etc.).





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