Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Ab heute wird zurückgeschossen (Updated)

Geschossen wird nicht erst seit heute aber nur dem Pöbel ins Gesicht. Vor allem in Griechenland. Aber wir haben uns ja dran gewöhnt das dieses faule Pack einfach nicht arbeiten will und die zwei drei kleinen Sparmaßnahmen die wir ihnen an Herz gelegt haben einfach nicht umsetzen will. Diese ganzen assozialen, faulen Arbeitslosen gehen auf die Straße, zünden irgendwas an, die Polizei kommt und vertreibt sie. Dass kennen wir. Die Bundesregierung will, um schwächelnde Staaten bei der durchsetzung ihrer Interessen zu stützen, den Waffenexport erleichtern. An so demokratische Staaten wie Saudi-Arabien und Indonesien. Das kenne wir schon. Auch Griechenland kauft weiter U-Bote während die faulen Arbeitslosen die Krankenversicherung gekürzt kriegen. Auch der deutsche „Verfassungsschutz“/NSU/Politelite/Polizei/Mord-Skandal kocht weiter vor sich hin und irgendwie wird nichts ermittelt, es gibt bauernopfer (immerhin aus der ersten Reihe aber Bauer bleibt Bauer). Nichts passiert. Das kennen wir schon.
Was wir auch kennen sind Bilder wie diese. Aus Ländern wie Syrien. Oder Bahrain. Aber das großflächig auf Demonstranten geschossen wird ist zumindest in Europa doch eher ungewöhnlich. Immerhin (noch/“nur“) mit Gummigeschossen (z.b. solchen). Tut aber auch weh. Viele Bilder zu den Spanischen Protesten gibts u.a. hier. Ganzganz viel Audiovisiuelles Zeug mit einordnung in was wer wann warum bei metronaut hier.
Weil dort offensichtlich die Staatsgewalt an ihre Grenzen stößt möchte ich zum abschluss noch auf das Projekt EUROGENDFOR hinweisen, die werden das in Zukunft dann übernehmen, sind praktischer Weise mit Immunität und der Lizenz zum töten ausgestattet und haben als kleine boni noch Geheimdienstbefugnisse und sind Teil der supranationlen EU. Quasi Superriotcops auf Abruf. Aktueller Blogeintrag zu EUROGENDFOR hier.
This is what democracy looks like.

(update 19:50)
Immunität gibts natürlich nur für Polizisten. Grade durfte ich vernehmen das wedereinmal ein paar Menschen im Zusammenhang mit den Protesten gegen den G8-Gipfel in Genua (2001!) verurteilt wurden. Im Programm sind bis zu 14 Jahre Haft. Hervorzuheben ist dabei zum einen, dass es nur um Gewalt gegen Sachen geht (d.h. nicht gegen Menschen/Polizisten) und die Grundlage dafür ein Gesetz von Mussolini ist…
(update 2.9.)
funfact am Rande zu Genua: es gibt endlich einen Polizisten der dabei war und zugibt das die Prügelei im Pressezentrum nur eine Inszenierung war. Die Polizei hat wohl extra Molotow-Cocktails mitgebracht damit sie am nächsten Morgen was für die Pressekonferenz zum vorzeigen haben.

Es heißt, selbst wenn man eine Leiche neben einem Verfassungsschützer findet, bekommt man keine Auskunft.

Das Zitat mit der Leiche und dem Verfassungschützer stammt aus einem Artikel den ich hier zum lesen empfehlen möchte. Als kleinen Appetithappen mal den Abstract:

Hätte vor ein paar Monaten jemand behauptet, dass zur ›Aufklärung‹ der neonazistischen Mordserie Akten vernichtet, wichtige Erkenntnisse unterschlagen, Untersuchungsausschüsse belogen werden, Leitende Beamte des Bundesamtes für Verfassungsschutz Falschaussagen machen, wäre er als Verschwörungstheoretiker lächerlich gemacht worden. Wenn vor Monaten jemand behauptet hätte, dass die verschiedenen Geheimdienste nicht dilettantisch, sondern perfekt zusammengearbeitet hatten und über ausgezeichnete Kontakte zum neonazistischen Thüringer Heimatschutz/THS verfügten, also zu Mitgliedern der daraus hervorgegangenen Terror-Gruppe ›NSU‹, wäre ihm Gleiches widerfahren.
Jetzt sind diese berechtigten Annahmen gerichtsverwertbar.

Cpt.Obvious meldet sich aus GB

Wer hätte das gedacht. Netzpolitik berichtet, dass die Internetsperren in Großbritanien nicht mehr nur für bzw. gegen Kinderpornographie genutzt werden sollen. Nicht das ich jetzt irgendwie überrascht bin aber, dass es so schnell geht und was alles gleich gesperrt werden soll ist schon irgendwie erschreckend (quote aus der empfehlung des UK Council for child safety):

the public debate has been framed around the apparent ease of access that children have to online pornography. The report argued that internet service providers (ISPs) should provide broadband connections into homes with filters already in place as the default setting to block access to pornography. Adults who wanted these filters removed from their service would have to tell their ISP they wished to ‘opt in‘ to these sites[…]The Government and UKCCIS members are aware that exposure to pornography is not the only risk that children face when using the internet. They might access websites promoting suicide, anorexia, self-harm and violence, or be the targets of online sexual grooming or bullying. No technical solution, on its own, can be 100 per cent effective in blocking age-inappropriate web content or behavioural issues, but it is right to look at the role technical solutions can play as part of a package which also includes education, awareness raising, and, if necessary, regulatory measures.

Also nochmal kurzgefasst: Es sollen alle Seiten gespert werden auf denen es um sex, magersüchtigkeit, selbstgefährdung und gewalt geht/gehen könnte oder seiten auf denen u.U. gemobbt wird oder menschen auf sexuelle art und weise belästigt werden könnten. (Und jedeR könnte sich wieder freischaltenlassen zum Pornogucken. Die Liste will ich sehen. Und sie wird veröffentlicht werden)
Punkt1: das internet muss dann dichtgemacht werden: auf youtube finden wir irgendwelche von den beschrieben inhalten, bei amazon kann ich bestimmt sowas kaufen wenn ich will, bei facebook wird manchmal gemobt usw. usf. Es gibt ganze Fernsehsendungen die nur von den beschrieben Inhalten leben (die 100 lustigsten videos oder wie der schwachsinn heißt). Das ganze ist unverhältnissmäßig und sorgt nur dafür das wir am ende noch 5 große netzwerke haben die sich rein halten (ich tippe auf googel+ gesichtsbuch irgendein appelnetzwerk und zwei drei seiten die ich jetzt nicht aufm schirm habe) für kleine unabhängige blogs wirds schwer.
Punkt2: Selbst wenn es irgendwie möglich sein sollte zu unterscheiden zwischen den zu sperrenden Inhalten wäre es extrem einfach das auch noch andere, ich sag mal unbequeme, Inhalte zu sperren, sowas wie wikileaks z.b. natürlich ganz ausversehen bis wir uns dran gewöhnt haben. (Habt ihr schonmal nen Filter erlebt, der nur das sperrt was er soll? ich nicht)
Punkt3: um tatsächlich die unterscheidung zwischen den zu sperrenden inhalten und inhalten die gedultet werden machen zu können muss das gescriptet werden. die vorstellung das das mitarbeiter machen, die nen knopf haben auf dem steht, die seite muss gesperrt werden ist naiv, unrealistisch, öffnet punkt 2 tür und tor und kostet zu viel. das wiederum bedeutet, dass wir superalgorhytmen entwickeln müssen und dpi an den start bringen müssen und das wiederum bringt mich zu ganz gruseligen totalitären allmachtsphantasien.
Fazit: Wie hier (unten im beitrag) schon festgestellt, Kinder und Frauen sind die neuen Terroristen. Und bei Terroristen gibts keine Schranken mehr. WIR MÜSSEN UNS DOCH SCHÜTZEN! (vor Magersucht)
(Disclaimer: Magersucht ist ein ernsthaftes Problem. Aber das skizierte Gruselpaket ist damit nicht zu rechtfertigen.)

Mal wieder Fundstücke

Aus diversen Gründen gibts diese Fundstücke nur unkommentiert als Appetithappen:

via (Originalquelle hier):

Ein Hoch auf die Gen-Technik
In Elgin, östlich von Texas, verendeten die Rinder von Jerry Abel, als nach Feststellung der Bundesbehörden, seine Kühe das genmanipulierte Gras abweideten, das 15 Jahre nach der Erst-Aussaat plötzlich begann, Zyanid zu produzieren.

“Eine U-Bahn von Lemberg bis nach Auschwitz”
Unser Autor war mit Deutschland-Fans unterwegs in der Ukraine. Dabei erlebte er einige Dinge, über die hierzulande kaum berichtet wird: Nationalismus, Nazi-Kult, Antisemitismus und Rassismus gehören offenbar noch immer zum unguten Ton bei Auswärtsspielen der Nationalmannschaft.

Von Publikative.org (Photograph: Florian Schubert)
(Quelle)

Unsere Freunde, die Putschisten
Was sich Dirk Niebel in Asunción erlaubt hat, ist ein Skandal. Obwohl am Freitag der Parlamentsputsch gegen Präsident Fernando Lugo in vollem Gang war, hielt der Entwicklungsminister an seiner geplanten Reise nach Paraguay fest und ließ sich von Lugos illegitimem Nachfolger Federico Franco empfangen. […]

(Quelle)
Auch zum Putsch mit mehr Häme und auch gegen unsere anderen Staatstragenden Parteien hier.

Spanien gerettet

Seit dem Wochende ist es klar: Spanien wird endlich gerettet. Über die Retter hatte ich neulich hier schonmal gesprochen Und spätestens seit heute mittag ist klar, die hundert milliarden (100.000.000.000 €) werden nicht viel bringen. Zwar feierten unsere Europäischen Börsen heute morgen die Rettung noch, mittags jedoch stürzten die Börsen ab und in Amerika schlossen sie sogar im Minus.
Währenddessen rechnet das ehemalige Nachrichtenmagazin schonmal durch wieviele Rettungen „wir“ uns jetzt noch leisten können (und unter uns, wir werden sie uns leisten). Doch zurück ins jetzt. Die „Rettung“ wird von einem Wirtschaftsnobelpreisträger als Vodoo-Ökonomie abgewatscht, ein anderer Nobelpreisträger sagt, alles was uns die hundert milliarden bringen ist ein bischen zeit zu kaufen und so wie es bisher läuft tut die Politik mit der gekauften Zeit: nichts. Der übernächste Kommentar von dem selben cleveren Menschen zeigt die Zinsen für Spanische Staatsanleihen unter dem Titel „Things you don‘t want to see the morning after a bailout“. Die Zinsen steigen.
Der Bailout hat nichts gebracht, nichts. 100.000.000.000€ für nichts. Und die Optionen werden nicht mehr mit dem Geld das verbrannt wird. Unserem Geld das anderen in den Arsch geschoben wird. In Spanien gab es heute eine Demo unter dem Titel: „Diese Rettung zahlen wir nicht.“ Feynsinn kommentiert: Rie ne va plus. Und das passt auch aufgrund des Kontexts in dem der Spruch entstanden ist. Aber der Kontext von Feynsinn ist eigentlich die nächste Welle Scheiße die gerade auf uns zurollt. Eine Welle aus Scheiße die sich praktisch nichtmehr aufhalten lässt und die uns platt macht, selbst wenn überraschenderweise Griechenland, Spanien, Portugal und Irland die fiese Austeritätspolitik gut überstehen sollten.

Der italienische Industrieminister Corrado Passera versuchte zu beruhigen: Sein Land habe bereits alles Notwendige getan, um sich aus eigener Kraft in der Euro-Krise zu retten, sagte Passera am Montag. Italien sei nicht der nächste Kandidat für den Rettungsschirm.
Manche Experten halten Italien jedoch für den nächsten Wackelkandidaten in der Schuldenkrise. Nach dem geplanten Hilfsantrag Spaniens für seine Banken dürfte nun Italien in den Fokus der Märkte rücken, erwartet die Commerzbank. „Die Konjunktur ist eingebrochen und der Reformwille der italienischen Politik ist offensichtlich bereits wieder deutlich erlahmt“, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. „So könnte auch ein Hilfsantrag Italiens nur eine Frage der Zeit sein.“

(Quelle)
Wenn wir in dieser Krise irgendwas gelernt haben, es eine Konstante gibt: EinE MinisterIn der/die sagt, sein Land brauche keine Hilfe ist ein sicherer Indikator dafür, das sie bald „gerettet“ werden. Und Italien ist definitiv 2big2fail. Und gleichzeitig zu groß um gerettet zu werden. Wenn Italien Hilfe braucht, und es sieht so aus als ob Italien Hilfe brauchen würde, dann sind wir am Arsch.
PS:Zypern braucht auch „Hilfe“ aus dem Rettungsschirm.

Update (13.6. 00:15):
Wie versprochen und einfach nur um meine scharfen Thesen zu belegen hier mal ein screenshot von startseite des ehemaligen Nachrichtenmagazins, vor etwa 15 min:

Wer scharfe Augen hat kann erkennen, das Christine Lagarde (IWF Chefin) der Eurozone noch weniger als 3 Monate gibt. Sie spielt damit auf eine Äußerung von Herrn Soros an, der der Eurozone 3 Monate gibt. Sie setzt auf weniger… Und der IWF ist Teil der Troika und schon mit ein paar vielen Milliarden im Spiel. Das heißt sie sollte wenig Interesse haben, das die Prognose wahr wird und weiß genau das solche Äußerungen die Wahrscheinlichkeit erhöhen das die Kohle weg ist.

(update 2 (14.6. 00:15)):
Einen hab ich noch. fefe verlinkt auf einen artikel von einem menschen der jemanden bei bloomberg tv zitiert. klingt bischen komische aber der blog is seriös (wahrscheinlich seriöser als fefe :D ), von daher wird das zitat stimmen. wörtlich sagt dieser mensch:

When you realize that of the potential $100 billion to spend, 22% of that has to be provided by Italy and their lending to Spain is at 3% but Italy has to borrow at 6%. They have to lend to Spain $22bn at 3% – it is just madness. Everybody is getting worried again. The solution that they seem to have come up with seems to be worse than the problem in the first place.

(hervorhebung im Original)
Also für menschen deren Englischkentnisse sich stark in Grenzen halten und die der googel-übersetzung nicht trauen. Ich übersetze es nicht :D Naja die Essenz ist: von den 100.000.000.000€ für die Spanischen Banken kommen 22.000.000.000 € von Italien und der Joke dabei ist: Italien muss 6% Zinsen zahlen und leiht das Geld für 3% an Spanien.
D.h. Italien, die ja eigentlich vorn paar Wochen noch nicht soo schlecht da standen müssen jetzt 22 Milliarden extra aufnehmen und werden mit in den Abgrund gezogen. Mit dem Konjunkturprogramm für Banken in Spanien springt der Schuldenstand in Italien um etwa 10% auf 89% des BIP.
Vor allem bei 6%. Ich hab das mal so grob ausgerechnet (ausrechenen lassen, ich sitz vorm Rechner, da rechne ich ja net selber), da sind etwa 66.000.000€ pro Jahr die Italien jetzt zahlen muss für Spanische Banken (da sind jetzt die 3% die Italien von Spanien kriegen soll schon abgezogen). Das soll jetzt kein Plädoyer dafür sein, das Italien das Geld nicht rausrückt oder Spanien 6% zahlen soll. Das ganze dient nur der Illustration dessen, wie sehr wir grade in der Scheiße sitzen. Die Ökonomen sagen immer schlechtem Geld gutes hinterher werfen.
Kleine Anmerkung noch zu den 22% die Italien trägt/tragen muss. Das liegt vor allem daran, dass langsam die Länder ausgehen, die andere Länder retten können. Früher war ja Spanien bei den Ländern, die die anderen gerettet haben. Jetzt haben wir Länder zu Bad Banks umgebaut, die die Schulden den Banken abnehmen. Das doofe bei Ländern die als Bad Banks funktionieren sollen, ist nur, dass Bad Banks eigentlich abgewickelt werden sollen. Länder kann man aber nicht einfach so abwickeln und deshalb haben wir halt dieses Domino wo immer größere Steine umfallen wollen und stabilisiert werden müssten. Nur Italien ist so groß, das den Stein keiner mehr aufhalten kann (in Europa; ob nicht China/Amerika o.ä. das könnten und würden, anderes Thema).
Spannend wirds übrigens zwischen Sonntag Abend und Montag Mittag.

Blockupy Frankfurt: Versprochen, gehalten? – Erklärung der iL

Als kleine Nachbetrachtung der Blockupy-Tage will ich hier eine Erklärung der iL per copy-paste posten (originalquelle hier):

Dies ist eine nüchterne Bilanz, wir kennen unsere Grenzen. Wir wissen, dass sie enger gesteckt sind als wir uns das wünschen. Wir wollten mehr sein, wollten häufiger den entscheidenden Schritt voraus sein. Wir haben uns viel mehr Zelte auf den Plätzen gewünscht, für längere Zeit. Wir hatten eine Vielzahl von Versammlungen und Treffen vorbereitet, von Gelegenheiten zum freien Austausch und zur freien Debatte. Die Gewalt der Verbote und die Gewalt derer, die sie umsetzten, haben uns daran gehindert.

Blockupy Frankfurt war nur ein Anfang. Ein Anfang aber ist das, was augenblicklich wiederholt werden kann, immer wieder neu. Darauf haben wir vertraut, daran haben wir geglaubt, mit vielen anderen. Das haben wir nun möglich gemacht.

Das haben Kapital, Staat und deren Gewaltapparat gewusst und mit ihren Mitteln verhindern wollen. This is what democracy looks like: ein doppeltes Antlitz. Ihres und unseres. Das haben alle gesehen. Aus dieser Erfahrung haben viele ihre Schlüsse gezogen, andere werden ihnen morgen folgen.

Kapital, Staat und deren Gewaltapparat werden auch morgen noch da sein. Wir auch. Wir kommen wieder. Wir sehen uns in Frankfurt, in Rom, in Athen, in Barcelona, in Tunis. Make capitalism history. Weltweit. Versprochen.

Danke an alle, die mit uns waren und sein werden.

Interventionistische Linke, 20. Mai 2012.

Noch ein öffnend, abschließender Allgemeinplätz von mir:
Das Spiel ist noch nicht vorbei bzw. vor dem Spiel ist nach dem Spiel.

Moody dreht die Eskalationsspirale

Die zugegbenermaßen etwas steile These aus der Überschrift Moodys drehe an der Eskalationsspirale hat einen grundsätzlichen und einen aktuellen Beleg bzw Auslöser. Moodys ist hier als repräsentatives Beispiel zu verstehen, Fitch oder S&P sind weder besser noch schlimmer. Der aktuelle Auslöser liegt darin, dass Moodys sich am Montag die Freiheit genommen hat mal eben 26 italienische Banken herabgestuft hat. Nicht das ihr mich falsch versteht, ich verteidige hier nicht die armen, unschuldigen Banken/BänkerInner. Mit Blick auf das aktuelle Krisendrehbuch (Krisendrehbuch klingt nach Verschwörungstheorie, ist aber durchaus kein Spinnerei, vgl. z.B. Nobelpreisträger Krugmann hier) ist die Herabstufung vermutlich sogar gerechtfertigt. Was hier zu kritisieren ist, ist aber das 26 Banken auf einen Schlag herabgestuft werden, manche gleich um 4 Stufen.
Und für diese Massenabfertigung gibt es keinerlei Rechtfertigung. Solch ein Verhalten hat den Charakter einer selffulfilling prophecy. Hier wird durch die Verlautbarung die Situation sei unsicher der Fakt geschaffen, dass die Situation uinsicher ist. Klar ist auch: Es gibt Profiteure von der dieser Unsicherheit. Und das führt mich auf gradem Wege zur grundsätzlichen Begründung meiner Überschriftsthese: Ratingagenturen sind zu mächtig. Und sie sind nicht zu mächtig, weil sie irgendwie zwingend notwendig zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung gehören würden. Sie sind so (Über)mächtig, weil Ihnen die Macht gegeben wurde. Und hier kommt der Beleg für meinen Beleg bzw. ein kleiner Werbeblock für eine ausführliche, wissenschaftliche Analyse der gewordenheit und des daseins der Ratingagenturen von Werner Rugemer in den Blättern (hier).
So hier ist jetzt die Stelle an der das ausgewogene Fazit steht: Das ganze System ist krank. Institutionen, die (bestenfalls) geschaffen wurde, um Unsicherheiten zu vermeiden, tragen zur Verschärfung, ja sogar zur Schaffung von Unsicherheiten bei. Doch es reicht nicht, nur Banken und Ratingagenturen neuen („besseren“) Regeln zu unterwerfen. Es geht darum, ein System zu unterwerfen, das davon lebt Menschen zu unterwerfen. Es bleibt das Ziel von einer Gesellschaft in der die Freiheit jedes Einzelnen die Bedingungen der Freiheit aller wird.

Invasion of the Austerions

via gibt es einen netten comic, der sich auf humorvolle weise mit der aktuellen EURO SCHEIßE NEOLIBERALEN BULLSHIT OHNE RESTE ÖKONOMISCHEN VERSTANDES auseinandersetzt. Trotz des ernsten Themas, durchaus zum schmuzeln. Alle die sich gegen die Invasion wehren wollen: BLOCKUPY von mittwoch bis samstag, infos hier.
Invasion of the Austerions via dailykos

„Wir brauchen ein Protektorat“

Hier ist es ja deutlich stiller geworden, dafür möchte ich die Qualität und/oder den Nachrichtenwert der posts zu erhöhen. Ein kleiner Beitrag dazu via Feynsin:

Im Januar sprach ich vom “Protektorat Südost”, nachdem Griechenland nicht nur ein “Ministerpräsident” von Goldman Sachs vorgesetzt wurde, sondern auch mit einer faktischen Entmachtung von Regierung und Parlament geliebäugelt wurde – zugunsten eines “Sparkommissars”. Bitter genug, wenn man sich genötigt sieht, so zu formulieren. Entsetzlich, wenn das Kapital dazu übergeht, dergleichen offen zu fordern. Thomas Straubhaar gebührt die Ehre, öffentlich nach dem Gauleiter zu rufen und wortwörtlich die Errichtung eines “Protektorates” Griechenland zu verlangen. Wie es bei den neoliberalen Wirrköpfen und ihrem psychotischen Neusprech üblich ist, liefert er auch noch die schizophrene Begleitmusik dazu:
“Das bedarf diplomatischen Fingerspitzengefühls, um nationalen Stolz, Eitelkeiten und den Widerstand von Interessengruppen bei der Neugründung Griechenlands zu überwinden.”

Na wenn das mal nicht offen und ehrlich den asozialen, autoritären und agressiven „Klassenkampf von oben“ propagiert, was dann?!? Btw. Protektorat ist nur rhetorisch aber nicht inhaltlich eine Verschärfung Angis Marktkonformer Demokratien. Die Diktatur des Kapitals ist leider ein Sachzwang.

Von Verzweiflung und Hoffnung

Hier ist es still geworden, ich hab wenig Zeit aber hierfür muss Zeit sein, denn es ist Zeit zu werden, Zeit zu sein. Das was jetzt folgt ist ein Vollquote von hier und verweist auf einen ganz anderen Ort, an eine andere Welt:

John Holloway: Von Verzweiflung und Hoffnung

An all die aus der Reihe Tanzenden dieser Welt, an uns alle, die wir uns nicht mit dem Ende der Menschheit zufriedengeben:

Mehr denn je schaut die Welt gleichzeitig in zwei Richtungen.

Ein Gesicht schaut in eine dunkle, Depressionen erzeugende Welt. Eine Welt sich schließender Türen. Eine Welt, in der Leben, Möglichkeiten, Hoffnungen genommen werden. Es sind Zeiten, in denen gekürzt wird. Du musst lernen, mit der Realität fertig zu werden. Du musst gehorchen, wenn Du überleben möchtest, Deine Träume aufgeben. Erwarte nicht, dass Du von dem was Dir Spaß macht, leben kannst. Du kannst Dich bereits glücklich zählen, wenn Du überhaupt einen Job hast. Vielleicht kannst Du studieren, aber nur, wenn Deine Eltern Geld haben. Und selbst dann: Glaube ja nicht, dass Du etwas Kritisches studieren kannst. Die Kritik ist aus den Universitäten geflohen und es ist auch besser so. Warum sollen wir Kritik üben, wenn wir alle wissen, dass die Bahnen, in denen die Welt läuft, festgelegt sind? Es gibt keine Alternative, nur die Wirklichkeit der Herrschaft des Geldes, vergiss also Deine Träume. Gehorche, arbeite hart, ganz gleich, welche Art von Schrottjob Du kriegt. Anderenfalls wirst Du Mülleimer durchsuchen dürfen, denn es wird keinen Wohlfahrtsstaat geben, der Dich schützt. Schau, schau auf Griechenland und sei gewarnt! Diese Verarmung erwartet Dich, das wird Dir passieren, wenn Du Dich nicht unterordnest, dies ist die Strafe, die in dieser Schule des Lebens an ungezogene Kinder erteilt wird, an diejenigen, die sich zu viele Hoffnungen machen, diejenigen, die zu viel wollen.

Dimitris Christoulas, ein 77 Jahre alter Apotheker, der sich vor nur wenigen Wochen auf dem Syntagma-Platz erschoss, hatte diese Lektion der Verzweiflung gut, zu gut gelernt. Durch die von den europäischen Regierungen erzwungenen Ausgabenkürzungen, erhielt er keine Rente mehr und sagte: »Ich sehe keine andere Lösung, als meinem Leben ein Ende zu setzen, bevor ich gezwungen bin, Mülltonnen auf der Suche nach Essen zu durchwühlen.«

Dies bedeuten die Kürzungen. Dies ist das, was die Regierungen Europas und der Welt gegenüber den Menschen durchzusetzen suchen – alle Regierungen, alle sind sie Diener des Geldes, gleich ob sie scheinbar aus einer Machtposition heraus sprechen, wie die deutsche Regierung oder ob sie einfache Befehlsvollstrecker des internationalen Bankensystems sind, wie Papademos in Griechenland oder Monti in Italien. Die Ausgabenkürzungen führen nicht nur zu Armut, sie stutzen die Flügel der Hoffnung.

In diese Richtung bewegt sich die Welt, aber ist dies alles, was es gibt? Gibt es keine Möglichkeit, wie wir die Welt umkehren lassen können? Hat die Welt kein anderes Gesicht, eins, das in eine andere Richtung schaut?

Der Tod von Dimitris Christoulas zeigt in zwei Richtungen: Es ist Verzweiflung, aber auch eine Weigerung, die Verzweiflung hinzunehmen. In seiner Selbstmordnachricht schreibt er: »Ich glaube, dass die jungen Leute ohne Hoffnung eines Tages die Waffen ergreifen werden und die Verräter dieses Landes an den Füßen aufhängen werden, ganz so, wie die Italiener Mussolini 1945 aufgehängt haben.« Hoffnung leuchtet in den Tiefen der Verzweiflung selbst.

Die Grundlage dieser Hoffnung ist ein einfaches Nein. Nein, wir werden nicht hinnehmen. Nein, wir werden nicht hinnehmen, was ihr mit uns zu tun versucht. Nein, wir werden Eure Kürzungen nicht hinnehmen. Nein, wir werden uns nicht der Disziplin des Geldes unterwerfen, nein, wir werden das Töten der Hoffnung nicht hinnehmen. Nein, wir werden die obszönen Ungleichheiten der Welt, in der wir leben, nicht hinnehmen, nein, wir werden keine Gesellschaft hinnehmen, die uns selbst in Richtung unserer eigenen Zerstörung schleudert. Und nein, wir werden keine Alternativen vorschlagen. Wir wollen Eure Probleme nicht lösen, denn die einzigen Lösungen für die Probleme des Kapitals sind unsere Niederlage, die Zukunft des Kapitalismus ist der Tod der Menschheit. Selbst wenn das Kapital diese Krise löst, wird die nächste, noch zerstörerische, nicht lange auf sich warten lassen. Wir werden Euch nicht gehorchen, Politiker-BankerInnen, weil ihr die tote Vergangenheit seid, während wir die mögliche Zukunft sind. Die einzig mögliche Zukunft.

Dies ist unsere Hoffnung: Wir sind die einzig mögliche Zukunft. Aber unsere mögliche Zukunft ist nicht mehr denn eine Möglichkeit. Um sie zu verwirklichen, müssen wir in der Lage sein, den Weg der Welt neu auszurichten.

Wie können wir den Weg der Welt neu ausrichten? Dimitris Christoulas spricht davon, dass junge Leute die Waffen ergreifen und die PolitikerInnen an den Laternen aufgeknüpft werden sollen. Diese Vorstellung wird mit jedem Tag attraktiver und die PolitikerInnen dieser Welt wissen, dass es nicht nur eine Phantasie ist: deshalb haben sie in Griechenland Angst, auf die Straße zu gehen, deshalb erhält die Polizei in allen Ländern der Welt mehr Waffen und Macht. Aber, wie attraktiv die Idee auch immer sein mag: mit Waffen werden wir den Weg der Welt nicht neu ausrichten und etwas Neues erschaffen können. Unser Zorn ist anders geartet.

Zorn und Liebe. Verweigere und erschaffe. Dies ist die einzige Möglichkeit, mit der wir die Welt neu ausrichten können. Die Liebe geht Hand in Hand mit dem Zorn, das Erschaffen entspringt der Verweigerung. Wir sind die Wut einer neuen Welt, die durch die verfaulte Obszönität der alten stößt. Unsere Wut ist nicht die Wut der Waffen – Pistolen sind ihre Waffe, nicht unsere. Unsere Wut ist die Wut der Verweigerung, der unterdrückten Kreativität, der Empörung. Wer sind diese Menschen, diese PolitikerInnen und BankerInnen, die denken, uns wie Objekte behandeln und die Welt zerstören zu können, mit einem Lächeln auf den Lippen? Sie sind nichts anderes als Diener des Geldes, die ekelhaften und brutalen VerteidigerInnen eines sterbenden Systems. Wie können sie es wagen, uns unser Leben zu stehlen, wie können sie es wagen, uns so zu behandeln? Wir weigern uns.

Unser brüllendes NEIN findet Widerhall in der Welt, aber unsere Weigerung bedeutet kaum etwas, wenn sie nicht von alternativem Erschaffen begleitet ist. Unser Nein zur alten Welt wird keinen Bestand haben, wenn wir nicht jetzt und hier eine neue Welt erschaffen. Die Wut unserer Weigerung läuft in neues Erschaffen über. Die repräsentative Demokratie hat versagt und wir erschaffen eine wirkliche Demokratie auf unseren Plätzen, unseren Treffen, unseren Protesten. Das Kapital ist unfähig, die Grundlagen des Lebens sicherzustellen und wir bauen Netzwerke gegenseitiger Unterstützung auf. Das Geld zerstört und wir sagen: »Nein, wir werden eine andere Logik und eine andere Form des Zusammenkommens erschaffen.« Und so verkünden wir, dass »Kein Haushalt ohne Strom« sein darf und stellen die Stromversorgung wieder her, wenn diese abgestellt wurde. Schuldeneintreiber kommen, um unsere Häuser zu pfänden und wir organisieren Massenproteste, um sie aufzuhalten. Menschen sind hungrig und wir erschaffen Community-Gärten. Der Drang nach Profit massakriert menschliches und nicht-menschliches Leben und wir erschaffen neue Beziehungen, neue Formen Sachen zu tun. Das Kapital fegt uns von den Straßen und Plätzen und wir besetzen sie.

All dies ist unzureichend, all dies ist experimentell, aber in diese Richtung muss es gehen, dies ist das andere Gesicht der gegenwärtigen Welt, dies ist der Geburtskampf einer neuen Welt gegenseitiger Anerkennung. Vielleicht können wir noch nicht die Welt so verändern, wie wir sie haben wollen, aber wir können sie erschaffen und wir erschaffen sie hier und hier und hier und jetzt, wir erschaffen Risse im System und diese Risse werden wachsen und sich ausbreiten und vervielfältigen und zusammenfließen. Wir werden nicht zulassen, dass die Nacht über die Menschheit hereinbricht. Wir können und werden dem Einhalt gebieten, wir werden die Welt neu ausrichten.




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